Leseprobe 1 - martinart cool pictures and books

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ZURÜCK IN MIAMI
Pam saß steif wie ein Stock in ihrem schwarzen Lederdrehstuhl. Ihre Figur war immer noch schlank, nur ihr Busen schien noch größer geworden zu sein. Durch ihre dünne, rosa Bluse schimmerte ein schwarzer, dick gepolsterte Büstenhalter, der den Abdruck der Areolen unterdrückte.
Ihre Brüste sahen irgendwie monströs aus, wie zwei Melonen, ohne Nippel. Eigenartig, dass sie mich vor Jahren, als ich sie in Frankfurt kennenlernte, wo sie für die USA Air-Forces tätig war, so angemacht hatte.
Trotz ihres fortgeschrittenen Alters hatte ihr Gesicht kaum Falten, sie wirkte jünger, als sie war. Aber das big easy war verschwunden, ihre Mundwickel zuckten nervös.
  „Schön dich zu sehen Darling. Setz dich. Was macht die tainted love?“, fragte sie, ohne aufzustehen, freundlich auf einen Bürostuhl vor ihrem Schreibtisch deutend.
Aber ihre Worte hatten Beigeschmack.
   „Alles OK es läuft bestens. Momentan bin ich aber allein hier. Sylvia ist mit ihrer Freundin auf Reisen“, log ich. Sie brauchte nicht zu wissen, wie es wirklich um mich stand. Erfolg ist der Gott, dem alle huldigen. Misserfolge behält man lieber für sich.
   „Wirklich?“, fragte sie mich musternd. „Ich habe es dir prophezeit, du wirst in Frankreich mit ihr niemals glücklich“, fuhr sie zynisch fort.
   „Es ist mein Leben, lass endlich Sylvia aus dem Spiel“, entgegnete ich scharf. Ich atmete tief durch, erschrocken, dass ich so schnell die Fassung verlor.
  „Ja in gewisser Weise stimmt es schon, wegen ihr bin ich auch in Florida. Ich brauche Geld, dringend. Hast du schon jemand gefunden?“, antwortete ich unterwürfig.
Unter den langen Wimpern nahmen mich ihre schwarzen Murmelaugen ins Visier, ein triumphierendes Lächeln umspielte ihre pinkfarbenen Lippen.
Solange die Dollars nicht auf meinem Konto waren, hielt Pam ihren Finger immer noch am  Abzug. Aber meine scheinbare Demut schien wenig Eindruck auf sie zu machen, ohne ihren durchdringenden Blick von mir zu nehmen, entgegnete sie ärgerlich.
  „Richtig es ist dein Leben, aber auch ein Teil von mir. Es betrifft mich ebenfalls und es ist nicht dein Geld!. Du bist nur durch deine latente kriminelle Veranlagung daran gekommen. Und ich habe dich gedeckt! Wenn das Verbrechen entdeckt wird, verbringst du die nächsten Jahre nicht mit der Suche nach deiner Frau, sondern hinter Gittern. Und wegen Beihilfe gilt das auch für mich!“
   „Das hast du doch hoffentlich nicht vergessen?“, fügte sie mich freundlich anlächelnd hinzu.
Doch sie konnte mich nicht täuschen, dafür kannte ich sie zu genau, irgendetwas hatte sie noch in petto.
Pam lehnte sich zurück, auf ihrer Stirn erschienen zwei tiefe Falten, als sie die Augenbrauen hochzog und jedes Wort betonend zur Sache kam.
  „Die Papiere sind lange verkauft. Die der Standard Golf schon seit drei Jahren!“
Sie hätte mich auch auf den Magen schlagen können, ihre Worte erzeugten den gleichen Zweck, mir wurde schlecht. Obwohl es nicht völlig unerwartet kam. Ich hatte mir immer eingeredet, dass ich ihr völlig vertrauen konnte, sie würde der Versuchung nicht unterliegen. Selbst als sie mich ständig mit dem Verkauf hinhielt, hatten sich meine Befürchtungen tief in mir vergraben.
Doch sie war genauso wie ich, karakterschwach, wie die meisten Menschen auf der Welt.
Und ich wusste, Gott Mammon gewinnt immer, ich hatte es nur nicht wahrhaben wollen.
Pam hatte vorausgeahnt, wie mich ihre Worte treffen würden und bevor ich etwas sagen konnte, verschwand der kalte Ausdruck ihrer Mine. Mit weicher Stimme fuhr sie zaghaft lächelnd fort.
  „Warte Wolf, ich weiß, was du jetzt denkst, aber ich habe dich nicht betrogen. Niemals! Die Standard Golf ging schon vor drei Jahren in Konkurs. Als ich davon Wind bekam, habe ich vorher noch die Papiere abstoßen können. Ein Schwede, Lars Ottosson, hat eine Million US Dollar dafür gezahlt. Er war der Einzige, den ich finden konnte. Das Paket war ja 2,4 Millionen schwer, den Verlust hat er mit seiner Einkommensteuer verrechnet. Ein glänzendes Geschäft für ihn, allerdings nicht für dich ... für uns.
Ich habe es dir nicht gesagt, da ich dich zu genau kenne. Ich wollte verhindern, dass du durch deine Verschwendungssucht ins Visier des FBI gerätst. Dein Mord ist zwar ein cold case, aber Kapitalverbrechen, werden niemals aufgegeben“.
  „Es war Notwehr, kein Mord, das weißt du doch. Wie bist du überhaupt an die Papiere gekommen, die lagen doch in meinem Schließfach, und was ist mit der Newland Corp., und den acht Millionen?“, unterbrach ich sie verzweifelt.
Mir war todschlecht, ich wusste, was sie antworten würde. Das Geld war futsch, ich war bankrott und ohne Geld, würde ich Sylvia nicht finden. Aber selbst wenn es gelänge, ihre materielle Einstellung war mir bestens bekannt. Zu einem Pleitegeier würde sie nicht zurückkehren. Mein Appartement in Miami könnte ich zwar verkaufen und auch das Chalet, das mir aber eigentlich nicht gehörte. Doch damit würde ich Sylvias und Frances Lebenstraum vernichten, sowie jegliche Hoffnungen, dass sie zurückkommen würden, könnte ich endgültig begraben.
Oder besser, mich selbst, wobei ich zwanghaft an meinen 45 Derringer dachten musste.
  „Ja, aber nur auf dem Papier, super Finanzexperte“, antwortete Pam laut und deutlich, mich aus den Gedanken reisend.
   „Vom Schließfach habe ich natürlich einen zweiten Schlüssel, da es auch auf meinen Namen eingetragen ist. Und fifty fifty war vereinbart, oder hast du das auch vergessen.
Die Million von Ottosson habe ich aber nicht im Schließfach deponiert, Zins und nutzlos, sondern gewinnbringend angelegt. Für uns beide!"

Entschlossen griff Pam in eine Schublade ihres Schreibtisches und aus einer goldenen Visitenkarten-Box entnahm sie eine Karte. Als sie sich vorbeugte, sie vor mich legte, quetschen sich ihre großen Brüste beängstigend auf die Tischplatte.
Die Karte war aus leinenartigem, pastellgelben Papier, und in dunkelbrauner Schrift war eingeprägt::
Financial Entrepreneur
Wolfgang Normann
Hollywood FL 33019
(954) 922-5555
  „Das ist deine Karte, wie du siehst. Allerdings ohne den Scheiß alias. Du bist erfolgreicher Finanz Unternehmer, offiziell in Hollywood FL., registriert. Du zahlst Steuern, hast eine Angestellte, alles nach Vorschrift des States Florida. Mit der Generalvollmacht, die du mir damals ausgestellt hattest, habe ich alle Formalitäten erledigt, und deinen Hauptwohnsitz in Frankreich, Cap Ferrat eintragen lassen. So lässt sich erklären, dass die Sekretärin, mit zwei Tage Job in der Woche, ihren Boss noch niemals zu Gesicht bekommen hat. Und unter deinem Namen habe ich Kredite vergeben, die die Bank nicht mehr genehmigen wollte. Wegen der Finanzkrise waren plötzlich Lots, Immobilien kaum noch was wert.
Alle haben Schiss bekommen. Ich nicht! In meinen Namen konnte ich es nicht machen, die Bank hätte mich gefeuert und mein Mann ebenfalls. Er weiß nichts von meiner lukrativen Nebenbeschäftigung.
So hast du indirekt viele Familien gerettet, die von der Finanzkrise mitgerissen, ihr Hab und Gut verloren hätten. Dadurch habe ich ... wir beste Renditen erzielen können“.

Während ich sie völlig überrascht ansah, hob sie ihren Oberkörper, wobei ich glaubte, ein erleichtertes Stöhnen ihres Busens zu vernehmen. Sie griff wieder in die Schublade, nahm vier Scheckbücher sowie einen Umschlag heraus und legte alles auf den Schreibtisch. Diesmal beugte sie sich nicht vor, als sie mich prüfend ansah.
  „Mach den Mund zu Wolf du, siehst dümmlich aus. Die Finanz Geschäfte laufen außerordentlich gut und das Business erfüllt alle Voraussetzungen, der USA Auflagen. Du kannst sofort ein E-2 Investor Visum beantragen, hier arbeiten und leben. Und wir können die Geschäfte noch ausweiten. In finanziellen Angelegenheiten bin ich besser, als die sogenannte Bankelite, in der obersten Etage. Wir machen wieder fifty fifty".
Ihr Ton nahm einen beschwörenden Klang an.  
  "Nimm endlich Vernunft an. Deine falsche Identität, des Holländers, ist brandgefährlich, auch für mich. Was weißt du schon über den Kerl, der trieb sich doch irgendwo in Afrika herum. Wer weiß, was er da gemacht hat.
Die ganze Welt ist doch auf der Suche nach Extremisten. Auch wenn der Pass noch so gut ist, werden sie dir irgendwann auf die Schliche kommen, oder dich wohlmöglich für ihn halten. Willst du riskieren, für ihn deine Hand ins Feuer zu legen? Du bist, wer du bist, nicht er. Gib die Charrade auf und bleibe hier. In Key West, oder am Ocean Drive findest du doch die hübschsten Mädchen, da ist deine Frau schnell vergessen. Und ich bin ich auch noch da, ich kenne viele junge Girls. Wir können wieder Mardi Grass Partys feiern. Oder bin ich zu alt?“, fragte sie, mich liebevoll ansehend.
Sie schien mich immer noch gerne zu haben. Aber für mich war es wie eine Reise auf einen anderen Planeten, den ich vergessen, und auch nie mehr besuchen wollte.
  „Pam the good times are really over“, entgegnete ich leise.
Dass sie nicht nur viel zu alt, sondern auch keinerlei Sex Appeal mehr für mich besaß, behielt ich lieber für mich. Feinde hatte ich mehr als Attila. Doch über meine Situation musste ich ihr nun die Wahrheit sagen, selbst wenn ich als Verlierer dastand.
  „Die Welt hat sich geändert, wie ich auch, Pam. Ich will keine neuen Mädchen, ich liebe nur Sylvia. Aber sie hat mich mit ihrer Freundin verlassen. Für mich war es der Tag, an dem die Welt stehen blieb und sich kein Morgen mehr lohnt. Deshalb muss ich sie finden. Doch dafür brauche ich dringend Geld. Bitte Pam, wie viel habe ich?“, fragte ich leise, um Haltung bemüht.
Pam lehnte sich langsam zurück, ein resignierter Ausdruck lag in ihrer Mine.  
  „Schade, dass es so um dich steht, aber ich habe es befürchtet. Bekannterweise leidest du schon immer an Einbuße geistiger Fähigkeiten beim Anblick hübscher, nackter Mädchen. Besonders wenn sie gespreizt vor dir liegen. Aber die beiden verfluchten Voodoo Muschis scheinen eine diabolische Macht zu besitzen, mit der sie auch dein Hirn entleeren können“, sagte sie bedauernd. In ihren Augen glitzerte es verdächtig, bevor sie den Blick senkte.
  „Dir gehören zwei Millionen, dreihunderttausend Dollar und dreieinhalb Grundstücke in Marco“, sagte sie fest..
  „Aber es waren doch mehr als zehn Millionen und was meinst du mit Grundstücken“, entgegnete ich überrascht und gleichzeitig erleichtert. Total Bankrott schien ich also nicht zu sein, meine Beerdigung konnte ich erstmals verschieben.
Pam hob den Kopf und sah mich tadelnd an, wobei sie ungehalten auf den Umschlag und die Scheckbücher zeigte.
   „Moment Wolf, kapier es endlich, ich sage es nicht noch einmal. Es war Papier, Schuldverschreibungen, kein Bargeld! Und du hattest noch Schwein, denn bei einem Bankrott ist normal alles weg. Von dem Schweden gab´s eine Million für die Standard Golf, für die Newland habe ich 3,6 Millionen bekommen. Also 4,6 Millionen zusammen.
Und fifty fifty sind nach Adam Riese, 2,3 Millionen Dollar. Die eine Million, die ich mir von dem Geld geliehen hatte, wurden von den Kreditnehmern direkt auf dein Konto eingezahlt. Ebenso wie das Geld von dem Broker für den Newland Verkauf. Aber um nicht noch mehr zu verlieren, musste ich sieben Grundstücke als Bezahlung akzeptieren, also dreieinhalb Lots für dich. In diesem Umschlag sind alle notwendigen Kontounterlagen sowie die notariellen Beurkundungen der Grundstücke“.
Sie machte eine kleine bedeutsame Pause.
  „Damit sind wir quitt, Wolf, endgültig! Alle Steuern sind bezahlt, das Geld ist sauber, du kannst frei darüber verfügen. Du musst nur deinen Pass in dieser Bank vorlegen, um Barauszahlungen in voller Höhe zu erhalten. Durch die Generalvollmacht ist deine Unterschrift schon eingescannt. Und mit 2,3 Millionen hast du ein glänzendes Geschäft gemacht. Ich allerdings auch. Mein Geld steckt allerdings noch in weiteren Krediten sowie in den dreieinhalb Grundstücken“.
Sich leicht über die Augen wischend, lächelte sie mich an, scheinbar erleichtert, alles gebeichtet zu haben. Vielleich aber auch, um die Drohung ihre nachfolgenden Worte zu mildern.
  „Nicht zu vergessen, die 1,2 Millionen in bar, die du damals vom Notar aus Orlando erhalten hast, und die es dir überhaupt ermöglicht haben, deine Frauen kennenzulernen.
Sowie die Kapitalverbrechen, durch die du an die Papiere gekommen bist, ohne erwischt zu werden“.
Sie machte wieder eine kleine Pause, ihre Augen bohrten sich in meine, bevor sie leise hinzufügte.
  „Bisher!“
Es waren nur sechs Buchstaben, aber sie hallten in meinem Kopf wie der Glockenschlag einer Kirche, vor dem Friedhof. Ein Schauer schüttelte mich, doch es lag nicht an der viel zu kalt eingestellten Klimaanlage.
Es lag an dem, was ich seit Jahren vergessen wollte, aber nicht konnte. Obwohl ich die Taten nicht bereute, sondern als absolut notwendig sowie ausgleichende Gerechtigkeit betrachtete.
Aber das Wort war eindeutig, sie wusste genau, was es auslöste. Ein kleiner Hinweis würde schon genügen, und durch meinen Alias, hatte sie mich sogar dreifach in der Hand, ohne, dass sie es wusste.
Mein Kopf dröhnte, um meine Gedanken etwas zu ordnen, lehnte ich mich zurück an die Rückenstütze.
Fifty, fifty hatte ich nun mal gesagt und nebenbei hatte Pam sogar mehr als Recht. Es stimmte vorher war es nur bedrucktes Papier gewesen, wertlos für mich.
Jetzt lagen eine Menge Dollars auf meinem Konto, versteuert, legal und es war ausreichend, um Sylvia zu finden. Und die Gefahren meines Alias waren natürlich vorhanden, ich hatte sie billigend in Kauf genommen. Aber ich würde es ändern, nachdem ich mit Sylvia wieder in Frankreich war, van Visie beerdigen, unter meinem richtigen Namen neu durchstarten.
Darüber hinaus schien Pam auch ein gutes Geschäft in Florida aufgebaut zu haben, ich wusste, wie clever sie war.
Und falls France das Anwesen verkaufen würde, was ich bezweifelte, könnten wir auch alle nach Florida übersiedeln. Ich würde mein Appartement verkaufen und ein Haus am Meer suchen.
Jetzt hatte ich ausreichend Geld und damit war alles möglich. Ich war sicher meine Mädchen zu finden, dass sie zu mir zurückkehren würden.
Die Liebe gewinnt immer, manchmal sogar mit Hilfe von Gott Mammon, dachte ich von Glücks Gefühlen überwältigt.
   „Danke Pam, für alles. Ich liebe dich noch immer, aber eben anders als Sylvia“, entgegnet ich aufrichtig.
Pam seufzte leise und stülpte ihre Unterlippe vor.
  „Das wusste ich schon seit langem, es ist der Reiz der Jugend. Warum solltest du anders sein als Andere, oder mein Mann. Der alte Sack hat sich auch ein neues Baby zugelegt. Dreißig Jahre jünger!“, knurrte sie gehässig.
  „Das tut mir aufrichtig leid, aber es liegt nicht am Alter..“.
Doch mit einer gereizten Handbewegung schnitt sie mir das Wort ab.
  „Lass gut sein Wolf, ich bin kein Teenie mehr und kenne die Wahrheit. Jungend schmeckt einfach besser, schon seit Adam und Eva.
Aber ich würde mich freuen, wenn wir trotzdem Freunde und Geschäftspartner bleiben könnten. Denk mal zurück, wir waren doch ein tolles Team.
Bau hier in Florida eine Existenz auf, die Kunden stehen Schlange. Außerdem könntest du auch deine Idee, Swinger Vacation, Marco Island, verwirklichen. Die Idee ist super, deshalb bin ich überhaupt auf den Deal mit den sieben Grundstücken eingegangen. Erinnerst du dich?", fragte sie mich eindringlich ansehend.
Ihr Drängen brachte fast Vergessenes zurück, ob ich wollte oder nicht.

Alles geschah vor langer Zeit, als ich beschloss, kein Gedächtnis mehr zu haben.




MARCO ISLAND, Swinger Vacation. Coming soon on PDF
                   


Michael Martin * Weigelstr.4 * 34117 Kassel
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